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  • Nach Phänomen Facebook kommt der digitale Frühling

    Gastbeitrag von Jakob Steinschaden, Autor von «Phänomen Facebook» und Journalist zu Netzthemen. Er hat eine Rezension zu unserem Buch verfasst, für das er hier auch einen Kommentar beigesteuert hat. Jetzt arbeitet er an einem neuen Buchprojekt, das thematisch gut an unser NoBorders Kapitel anschließt. Und er dokumentiert den Entstehungsprozess via Social Media, so wie wir das auch getan haben. Hier seine Vorstellung seines neuen Buchprojekts «Digital Sirocco»:

    digital sirocco


    Es ist einfach Zeit für etwas Neues. Nachdem ich im Oktober 2010 mein erstes Buch, Phänomen Facebook, veröffentlicht hatte, war ich auf den Geschmack gekommen. Es ist, als würde man sein eigenes kleines Start-up gründen: Einen Bedarf ausfindig machen, eine Lösung dafür skizzieren, Investoren suchen, ein Design wählen, launchen, selber Interviews geben, Kritik einstecken, usw. – Parallelen gibt es viele. Schnell war klar: Innerhalb der nächsten paar Jahre wollte ich ein neues Sachbuch hinterherschieben.

    Gleichzeitig bemerkte ich, dass das Facebook-Thema, dem ich mich intensiv in Arbeit (bei KURIER und futurezone.at) und in meiner Freizeit (phaenomenfacebook.com, bzw. in Vorträgen) gewidmet hatte, ein wenig Ermüdungserscheinungen aufzuweisen begann. Das Publikum – sei es im Print, online oder in Vortragsräumen – konnte man kaum mehr überraschen. Schon wieder ein Datenleck, schon wieder Privatsphäre-Probleme, schon wieder neue Privatsphäre-Einstellungen, schon wieder neue Funktionen zur Datenerfassung – die Facebook-Geschichte wiederholte sich immer wieder selbst.

    Währenddessen kamen im Laufe 2010/2011 neue Themen auf – Cablegate von WikiLeaks, die Revolutionen in Nordafrika, die Hacktivisten von Anonymous, die Occupy-Bewegung, die Piratenparteien. Das war frisch, da passierte etwas, Dinge, die alle irgendwie miteinander bzw. mit dem Netz zu tun hatten und nach tiefergehender Beschäftigung und Erklärung verlangten. Gleichzeitig fragte mein Verlag (Ueberreuter) immer wieder nach, ob ich nicht Lust auf ein zweites Buch hätte, und schließlich startete ich mein neues Projekt: Digital Sirocco.

    Digital Sirocco ist im Wesentlichen ein Tumblr-Blog, den ich an einem Wochenende ohne Programmierkenntnisse zusammenbaute (ein Freund am anderen Ende der Welt, in Neuseeland, half mir dabei – Details zur Integration von Social-Media-Tools finden sich hier). Er wird mein Buchprojekt von A bis Z begleiten. Bei “Phänomen Facebook” hatte ich erst mit dem Marktstart des Buches einen begleitenden Blog gestartet – ich schrieb online quasi da weiter, wo ich mit Abgabe des Manuskriptes aufgehört hatte.

    Diesmal schreibe ich den Blog bereits begleitend zum Buchprojekt. Den Anstoß dazu gab mir übrigens Robin Teigland, Associate Professor im Center for Strategy and Competitiveness an der Stockholm School of Economics, die ich im Rahmen der SIME-Konferenz Ende 2011 in Stockholm kennenlernte. Eine gute Idee: Interessierte (z.B. Familie, Freunde, Kollegen, Twitter-Follower, Facebook-Fans) können mitverfolgen, was ich in Sachen Recherche so treibe (z.B. auf Konferenzen fahren) und mit welchen Themen ich mich auseinandersetze, und ich sporne mich selbst an, jeden Tag etwas für das Buch zu tun (dessen Deadline immer näher rückt).

    Digital Sirocco hat seine Vor- und Nachteile: Der Blog schafft jetzt schon Aufmerksamkeit für das Buch, auf Facebook und Google+ kann er bereits Fans sammeln, und man bekommt Feedback, welche Themen wie sehr interessieren. Die Kehrseite: Ein Blog macht zusätzliche Arbeit, gibt der Konkurrenz theoretisch Einblicke in die eigene Arbeit und verleitet ständig dazu, sich mehr Gedanken über kleine Designänderungen und die Fan-Zahl zu machen als über die nächsten Schritte der Recherche. Denn Digital Sirocco ist natürlich wie das Internet selbst: Er hilft mir, bei der Arbeit effizienter voranzukommen, aber er hält auch jede Menge Ablenkung bereit.