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  • Kulturrisse › 01/2012 › wrestling move(ment)s › Lizenzriots

    KulturrisseDie Kulturrisse sind eine vierteljährlich erscheinende «Zeitschrift für radikaldemokratische Kulturpolitik», herausgegeben von der IG Kultur, welche wiederum als Interessenvertretung an der Verbesserung der Arbeitsbedingungen für emanzipatorische Kulturarbeit arbeitet.

    Mit der ersten Ausgabe der Kulturrisse 2012 startet eine neue Kolumne namens «wrestling move(ment)s».

    Die Kurzbeschreibung:
    Für “wrestling movements” haben sich zwei virtuelle Figuren verbündet, @matahari_etc und @porrporr, um für diskursive Komplexitäten und Handgreiflichkeiten in den Ring zu steigen. Sie trafen sich auf Twitter und nun bilden sie die neue Text Wrestling League.

    Ich schreibe also dort wie hier im Buch unter dem Twitter-Handle @porrporr und freue mich nun, meinen Beitrag zum Heft «Urheberrechte für alle … sonst gibt’s Krawalle» auch hier im #sbsm-Projektblog zur Diskussion zu stellen:

    Lizenzriots

    Es gab und gibt in der radikalen Linken, solange ich mich erinnern kann, Diskussionen über Medienaktivismus.1 Was muss auf Fotos alles verpixelt werden? In welchen Situationen sind Videos wichtig, um Polizeigewalt zu dokumentieren, ab wann kippt es und spielt polizeilicher Repression in die Hände …!?

    Diese Diskussionen werden nach wie vor geführt und haben mit der Allgegenwärtigkeit des Web 2.0 und dessen inhärenter Veröffentlichungsgeschwindigkeit an Brisanz zugenommen. Smartphones und immer billiger werdendes Foto- & Videoequipment tun ihr Übriges. Somit steigt die Menge an Fotograf_innen und filmenden Menschen auf Demos & Aktionen. Leider steigt die Beschäftigung mit den Potenzialen und Gefahren, die “Social Media” in Zeiten des Überwachungsstaates mit sich bringen, nicht im gleichen Ausmaß.

    Eine Diskussion an den Schnittstellen dieser Themen gab es Ende 2011 auf Twitter, beteiligt waren: @martinjuen, @weberdaniel, @tobbsn, @der_gregor und ich. In der Diskussion stellte sich heraus, dass bereits mehrere Leute damit konfrontiert waren, dass ihre Fotos oder Videos von Leuten aus dem FPÖ-Sumpf geklaut beziehungsweise ohne alle Creative Commons (CC) Bestimmungen einzuhalten, auf deren Seiten veröffentlicht wurden.
    Daniel Weber tauschte seine CC Lizenz daher gegen das traditionelle Copyright. Martin Juen setzt deswegen schon seit jeher auf Copyright. Er sagt aber dazu, dass er “die Bewegung” unterstützt und per Anfrage Fotos zur Verfügung stellt.

    Natürlich eine frustrierende Situation, wenn politische Gegner_innen plötzlich unter Einhaltung einiger Bedingungen meine Fotos benutzen könnten.

    Wie die Erfahrungen zeigen, ist die FPÖ aber auch nicht zimperlich bei der unerlaubten Verwendung von Material, das unter herkömmlichen Copyright Lizenzen steht. Von @Daniel_Hrncir & @roma_naka klaute die FPÖ Teile ihrer #nowkr Videos, um es in ihrem Video mit dem Titel Pogrom-Stimmung bei NOWKR-Demonstration auf YouTube zu veröffentlichen. Durch Beschwerde bei YouTube wurde das FPÖ-Video sehr schnell zwei Mal offline genommen. Drei Wochen später tauchte es auf einem weiteren FPÖ-Account auf, auch da konnte Daniel es löschen lassen.

    Meist wird wohl damit gerechnet, dass Medienaktivist_innen den Rechtsweg aus verschiedenen Gründen nicht als Möglichkeit in Betracht ziehen. Bei CC wäre mir auch kein Fall bekannt, wo in Österreich ein Lizenzstreit ausjudiziert worden wäre. Was diese durchaus unterstützenswerte Lizenz hinsichtlich missbräuchlicher Verwendung wohl auch nicht gerade stärkt. Jedoch müssen wir auch bedenken, dass eine lizenzkonforme Verwendung von CC-Content durch eine rechtsextreme Gruppierung wie die FPÖ möglich ist.

    Was bedeutet das für unsere Veröffentlichungen? Eine genauere Beschäftigung mit Grenzen und Möglichkeiten von CC und mit der Frage, was diese für unsere politische Arbeit bedeuten, sollte ein erster Schritt sein. Ich bin weiterhin der Meinung, dass offene Lizenzen die richtige politische Entscheidung sind. Wie wir kollektiv auf Grenzverletzungen von politischen Gegner_innen reagieren, sollten wir diskutieren! Ein gerichtliches Vorgehen halte ich für politisch problematisch, vielmehr fände ich ein medial-aktionistisch-subversives Vorgehen konsequenter!

    Für die Auflösung der FPÖ!

    Bonustracks zur ersten wrestling move(ment)s Kolumne.

    1. Zu den Problemen und Risiken des Medienaktivismus siehe auch diese Gemeinschaftsproduktion eines Leitfadens, der dieser Kolumne vorangegangen ist. []