#sbsmCamp Allgemein Der Weg zum Buch Medienwandel
Über die Autoren
Anmerkungen zum “Making Of” von Verlagsseite
The future of the book is the blurb.
Marshall McLuhan
Im Frühjahr 2010 entstand die erste frühe Idee zu diesem “Buchprojekt” der etwas anderen Art.
In 4 Tagen, am Freitag dem 16.9., werden die Bücher aus der Druckerei in unser Verteilungszentrum des Verlags und zu unseren Partnern nach Deutschland geliefert, in unsere Buchhandlung des Verlags und in die Büroräumlichkeiten, von wo es dann sicher sofort erste Smartphone Bilder der Anlieferung geben wird.
Am Montag beginnt die Aussendung an die 46 Autorinnen und Autoren, Buchhandlungen und RezensentInnen.
Am Mittwoch, dem 21.9., beherbergt die Fachbuchhandlung unseres Verlags den 1. #sbsmTaalk. Es ist anzunehmen, dass es sich nicht um die übliche Buchpräsentation handeln wird.
Mit «Soziale Bewegungen und Social Media», dem Handbuch für den Einsatz von Web 2.0 in der politischen Arbeit und für politischen Aktivismus, sind wir als Verlag in neues Territorium vorgestoßen und haben uns in ein Projekt gestürzt, das nicht nur ein Buch und nicht einmal nur ein «Cross Media-Buch» samt Blogplattform und zweitägigem #sbsmCamp ist, sondern ein Feldversuch in neuen verlagstechnischen Arbeitsweisen, Entwicklungsprozessen und Marketingstrategien ist. Wir sind dieses Risiko bewusst und nicht leichtfertig eingegangen, wissend, dass wir auf viele Hürden stoßen werden und viel erst ausprobieren, selbst entwickeln und lernen müssen, weil es so ein “Buch” wie dieses – und daher die Erfahrungen für solche Projekte – noch nicht gibt.
Aus Perspektive des Verlagswesens war es wertvoll zu erfahren und zu analysieren, wie kollaborative Tools und das Web nicht nur politische und gesellschaftliche Informations- und Kommunikationsprozesse verändern, sondern auch die verlegerischen Prozesse beeinflussen. Bei uns im Verlag fragen wir uns nun, ob das, was wir gerade ausprobiert haben, bald Standards sein könnten: Die Projektbegleitung ab der ersten Idee über Facebook, Google+, Twitter, die Projektdokumentation per Blog und mit Fotos und Video über Flickr und YouTube, Dokumentübergaben in der Wolke und das Lektorat sowie der Export von Text und Design über ein Wiki abgewickelt werden? Wer weiß?
Zur Sicht des Verlags auf dieses außergewöhnliche Projekt mit seinem Pioniercharakter haben wir im Projektblog schon einmal über die Entscheidungen, die Fragen und neuen Abläufe berichtet, die dieses Cross Media Projekt mit sich bringt. Das war im März unter dem Titel Das Aufwachen der Gutenbergschen Schlafmützen …. Der Titel deutet es an, die gesamte Verlagsbranche befindet sich in einer Phase der Umbrüche und der Unsicherheit: neue Player in der Branche, neue Anforderungen der Leser_innen, neue Technologien. Niemand in der Branche ist sich ganz sicher, wie umgehen mit dem Thema e-Book, wie mit digitalen Inhalten generell, mit welchen Geschäftsmodellen in die Zukunft investieren?
Dieses Projekt ist eine Antwort unseres Verlags auf einige der Fragen, bei denen wir uns sicher sind, und ein Experimentieren mit einigen Dingen, wo wir glauben, dass es so gehen und dort hingehen könnte. Unser Ziel war und ist es, den Content in den unterschiedlichsten Ausgabeformen und Kanälen zu distribuieren, mit der Besonderheit “digital for free”. Diese strategische Entscheidung haben wir getroffen, um die anderen Säulen des Geschäftsmodells zu stärken, nämlich den Buchverkauf anzukurbeln, ein großes Camp veranstalten zu können, Merchandising sowie weiteren Know-how-Verkauf in Form von Weiterbildungs-Modulen zu ermöglichen.
Jetzt sind es nur mehr Tage bis dieses Buch unter der «Creative Commons-Lizenz BY-NC-SA» erscheint. Damit haben wir uns als Verlag der weltweiten Creative Commons-Bewegung angeschlossen, die möglichst viele Urheber_innen dazu motivieren will, ihre Werke auch anderen bereitzustellen. Content soll durch diese Form der genau definierten und gesicherten Nutzungsbewilligung einfacher von der Allgemeinheit genutzt werden können und darauf aufbauend Neues entstehen. In der Langform der Lizenz heißt das, die Nutzung des Werks beziehungsweise der Inhalte ist unter der Bedingung der Namensnennung zur nicht kommerziellen Weitergabe unter gleichen Bedingungen freigestellt, kann also zum Gemeinwohl genutzt werden.
Im Buch gibt es den Beitrag Auszug aus dem NetzKnigge der beiden Herausgeber, der weitere Ausführungen zu Creative Commons, Urheberrecht und freien Lizenzen enthält. Es ist also die Logik des Buches selbst, das unsere Entscheidung für eine CC-Lizenz nahe gelegt hat und wir sind den Schritt trotz der ersten Kopf schüttelnden Reaktionen im Verlag gegangen. Es sind Entscheidungen wie diese, die von KollegInnen in der Verlagsbranche mit ebenso viel Erstaunen, Skepsis wie Neugier beobachtet und kommentiert werden.
Spannend und sehr herausfordernd wurde es für den Verlag in der Abwicklung der Produktionsprozesse über Social Media-Tools. Neben der Verbreitung der Inhalte und Möglichkeit zur Diskussion und Weiterentwicklung der Inhalte über Social Media wollten wir noch etwas ausprobieren, nämlich die Abwicklung kompletter Produktionsprozesse mit den kollaborativen Werkzeugen, um die es auch im Buch geht. Unter kompletter Abwicklung verstehen wir die gesamte Entstehung von der ersten Idee bis zur Übergabe an die Druckerei. Die Standard-Prozesse des Verlags wurden dabei vollständig verlassen, “Cross Media” war das Gebot und ein Wiki und ein Blog dessen Haupt-Boten.
Die Herausgeber setzten das Arbeitswiki auf, arbeiteten mit vielen Autor_innen dort die Beiträge ein und das Buch aus. Das Wiki war aber auch Kommunikationsplattform zwischen Herausgebern und verschiedenen Abteilungen des Verlags, im Wiki wurden Beiträge lektoriert und von dort direkt in den Buchsatz übernommen. Klingt alles einfach, ist es zugegeben aber nicht gewesen. Neue Prozesse müssen sich einspielen, und mehrmals war es notwendig, mit der großen Brechstange statt mit Samthandschuhen die Rädchen wieder ins Rollen zu bringen. Das ist wohl eine logische Konsequenz, wenn dezentrale, flexible Strukturen auf zentralisierte, straffe Abläufe treffen.
Auf das Ergebnis können alle Beteiligten stolz sein. Wir haben als Verlag etwas riskiert, einiges ausprobiert und viel gelernt. Das #sbsm Cross Media Projekt ist noch lange nicht abgeschlossen, aber Arbeitstechniken und Abläufe aus diesem Projekt sind bereits in andere Buchprojekte eingeflossen.
Der Weg ist spannend und in dem Zusammenhang wollen wir noch eine Einladung aussprechen: Am #sbsmCamp im Oktober werden wir uns am zweiten Camptag, dem 20. Oktober, mit dem “Making Of”, den Implikationen für das Verlagswesen und allgemein dem Publizieren in unseren Zeiten des gravierenden Medienwandels beschäftigen.
Gerhard Bröthaler, Geschäftsführer
Dagmar Thurnhofer, Projektleiterin
Creative Commons, Cross Media, e-Book, kollaborative Tools, Making Of, Marketingstrategien, ÖGB Verlag, Social Media, Verlag, Verlagsbranche, Verlagswesen, Web, Wiki


[..] die Entstehungsgeschichte eines Buchs, das über weite Strecken im und via WWW entsteht, [..]
[...] Überlegungen des Verlangs sind hier nachzulesen. Nun wird eine spannende Veranstaltung [...]
[..] Präsentation vorbereitet. Siehe dazu unseren Eintrag im Projektblog, Anmerkungen zum [..]