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  • Das Aufwachen der Gutenbergschen Schlafmützen …

    Vor mittlerweile fast einem Jahr entstand die erste frühe Idee zu einem Buchprojekt, das heute «#sbsm – Soziale Bewegungen und Social Media» heißt und hier über eine eigene Website verfügt. Heftige Diskussionen zwischen den nunmehrigen Herausgebern, VerlagsmitarbeiterInnen und weiteren politischen Köpfen darüber, “wo die politische und mediale Welt hingehen wird und was uns das eigentlich nicht angeht oder ob es uns doch sehr wohl alle betrifft”, waren der Ausgangspunkt für etwas, was es in dieser Form noch nicht gibt. Die ersten Feedbacks innerhalb des Verlags auf solche Ideen wie “Creative Commons”, “alles frei online” und “Blog-Plattform als Website” waren nicht immer druckreif und sollen daher an dieser Stelle nicht wiederholt werden. In vielen Gesprächen, Diskussionen, Präsentationen sind die Ideen weiter gereift – und gereift und gereift …

    Zum Themenkomplex bzw. zum Zusammenspiel von “Soziale Bewegungen” und “Social Media” sollte es ein Buch und ein E-Book geben, dann auch eine Marketing-Website und schließlich eine Website mit allen Inhalten des Buchs frei zugänglich. Dazu ein ProjektBlog mit Einbindung und Rückbindung an eigens eingerichtete Social Media-Accounts auf Facebook, Twitter, gerüchteweise auch Google Buzz und Diaspora.

    Einige Monate später begann die Idee eigener #sbsm-Workshopmodule zu reifen und schließlich mutierten die Ideen in der Zwischenzeit schon zu einer #sbsmCamp Un-Konferenz. Keine Ahnung, was noch an derzeit kaum vorstellbaren oder nur vage erahnbaren Dingen entstehen wird – alles lizenziert unter Creative Commons. Und das Besondere – zumindest gemessen an üblichen Produktionsprozessen eines Verlags: Es sollte nicht nur um Social Media gehen, sondern der Entstehungsprozess sollte vollkommen mit Social Media umgesetzt bzw. begeleitet werden.

    VerlagsmitarbeiterInnen, die im Rahmen von Branchentreffen in informellen Gesprächen von den Projektideen erzählt haben, ernteten immer beides: großes Interesse und heftiges Kopfschütteln. Spätestens als einige alteingesessene Verleger, mit denen der Verfasser dieser Zeilen bei der Frankfurter Buchmesse 2010 im Rahmen einer Podiumsdiskussion diskutierte, die Rettung mit den netten Helfern samt umgedrehter eng anliegender Jacken bemühen wollten, wussten wir, dass wir am richtigen Weg sind. Klassische Player in der Branche konnten sich nicht vorstellen, worüber wir nachdachten, konnten nicht nachvollziehen, dass wir uns für dieses Projekt engagierten.

    Aus Perspektive des Verlagswesens ist es wertvoll zu erfahren und zu analysieren, wie “Social Media” nicht nur politische und gesellschaftliche Informations- und Kommunikationsprozesse verändern, sondern auch die verlegerischen Prozesse beeinflussen und zukünftig alle bisher bekannten Konzepte über den Haufen werfen könnten: von der Buch-Idee-Entstehung bis zur Produktion; von der Kollaboration zwischen AutorInnen über die Zusammenarbeit zwischen HerausgeberInnen und MitarbeiterInnen im Lektorat, bei der Grafik und dem Setzen bis hin zur Vermarktung und Auslieferung an die KundInnen.

    “Social Media” spielt bei der Konsumation der Bücher durch die LeserInnen eine Rolle. Die Projektdokumentation über diverse Plattformen verschiebt den Marketingstart deutlich vor den Drucktermin. Texterstellung und Korrekturen über ein WIKI, Kurzinformationen über Twitter, Projektkommunikation über Facebook, Zusammenfassungen der Ergebnisse und Diskussionen zur Weiterentwicklung der Inhalte in Blogs sowie Abstimmungen zum Layout werden von einer Community getroffen und so weiter.

    Der Verfasser fragt sich, ob das, was wir gerade ausprobieren, bald Standards sein könnten. Für eine Projektdokumentation über Flickr und Youtube, Abstimmungen zu Präsentationen über Slideshare, Dokumentübergaben nur mehr in der Wolke und das Lektorat sowie der Export von Text und Design über ein WIKI abgewickelt wird.

    Haptik affinen Menschen – und auch der Verfasser dieser Zeilen zählt sich dazu – stellt es bei all diesen Veränderungen immer wieder die Haare auf. Fehler sind Erfahrung und die Branche war lange nicht mehr so auf Experimente und neue Versuche angewiesen wie in unserer aktuell alles erfassenden Medienrevolution. Angetrieben werden die alten Verlagshasen von den jungen Projektmanagerinnen Dagmar Thurnhofer, Melissa Huber und Habiba Memedoska, die durch ihr akribisches, innovatives Vorgehehen “Forschung und Entwicklung” betreiben.

    Wo das alles hinführen wird? Ist das das Aufwachen der Gutenbergschen Schlafmützen, wie seit 500 Jahren Bücher produziert werden?

    Let’s see… Follow! Es bleibt jedenfalls spannend!